McDonald’s

Im Sommer als ich 21 wurde, arbeitete ich für ein paar Monate bei McDonald’s. Ich erinnere mich, wie verwirrt die Dame beim Bewerbungsgespräch über meinen Enthusiasmus war. Ich hatte gehofft, in der Nachtschicht zu arbeiten, und es stellte sich heraus, dass diese Stelle gerade frei geworden war. Ich war schon immer eine Nachteule gewesen, also hatte ich mir ausgemalt, ich könnte genauso gut irgendwo arbeiten. Ich hatte mir auch ausgemalt, dass die Nachtschichten gediegener sein würden und ich die Zeit hätte, etwas zu lesen oder so. Es stellte sich heraus, dass ich mehr als richtig lag. Der Nachtmanager war ein paar Jahre älter als ich und wir verstanden uns auf Anhieb blendend. Von 22 bis 5 Uhr betranken wir uns und skateten auf dem Parkplatzgelände. Wenn ein Auto kam, rannten wir zurück ins Gebäude und erledigten die Bestellung. Wir erfanden alle möglichen neuen Kreationen mit den Nuggets und den Pommes und der Ice Cream und schlemmten und quatschten draußen in diesen schwülen Sommernächten. All das, während im Hintergrund sieben Euro dreiundneunzig pro Stunde in unsere Taschen wanderten.
In einer Nacht kam ich vom Raum mit den Tiefkühlschränken in die Küche zurück. Der Manager stand nicht mehr am Schalter. Als ich durch die Küche schlenderte, entdeckte ich ihn auf dem Fußboden hinter der Kasse mit einem kleingewachsenen, besoffenen Mann ringen. Ich hab nicht gleich verstanden, was los war. Die zwei Männer wrestleten auf dem Boden, fast geräuschlos, bis auf ihr Schnappen nach Luft. Ich stand eine Sekunde da, bis ich nach dem nächstbesten Küchenwerkzeug griff. Der Typ, der über die Kasse gesprungen war, war ein sehniger, bleicher Mann mit Schildmütze auf dem Kopf. Vielleicht war er in seinen 40ern oder 50ern. Er dominierte den Nachtmanager, lag auf ihm, mit der Hand in seinem Gesicht. Ich schrie den Typ an, dass er sich verdammt noch mal verpissen soll. Dann rannte ich rüber und schlug ihn mit dem Küchenwerkzeug. Das war der Moment, in dem sich die Dinge änderten. Der Manager rollte sich auf den Typ. Er bekam ihn irgendwie unter sich. Ich erinnere mich an sein rotes Gesicht und wie er brüllte: »Ruf die Bullen, du Oaschloch!«
Wir beide wurden in dieser Nacht gefeuert. Die Cops rochen Alkohol und ordneten einen Test an. Ich glaube, jeder von uns kam auf irgendwas über ein Promille.
Ich erinnere mich, wie wir zwei danach lange Zeit auf den Treppenstufen vor McDonald’s saßen. Die Polizei und der Managing Director waren längst weggefahren. Wir teilten uns eine Packung Zigaretten, redeten über Mädchen und sowas und nüchterten aus.
Als die Morgenschicht aufkreuzte und McDonald’s wieder öffnete, standen wir beide auf, gingen durch den Kundeneingang ins Restaurant, orderten Milkshakes und McRibs und setzten uns. Ich erinnere mich, wie wir beide dasaßen, immer noch in unserem McDonald’s-Mitarbeiter-Dress, und futterten. Draußen wurde der Himmel immer heller und heller.
»Ich bin zweiunddreißig«, sagte der Nachtmanager schließlich. »Gottverdammt nochmal.«
Ich weiß noch, wie er nach draußen blickte, durch die Fensterfassade, zur Parkfläche. Seine Lippen waren aufgeplatzt. »Wusstest du das?«, fragte er mich.
»Nein«, sagte ich und schüttelte den Kopf. »Wusste ich nicht.«
Er schüttelte den Kopf und sah hinaus zum Parkplatz. Er hatte dieses Gesicht eines Mannes, der nüchtern wird und das Tageslicht wie eine Offenbarung betrachtet. Ich erinnere mich an sein zerwühltes Haar und sein zerrissenes gelbes Shirt, auf dem etwas Blut klebte. Tatsächlich hatte ich selbst diese Kulisse für eine ganze Weile nicht bei Tageslicht gesehen.
»Verdammt nochmal«, sagte er. »Ich bin fast drauf gegangen. Weißt du, dass ich da hinten fast gestorben wäre?«
»Ich weiß nicht«, antwortete ich. »Ich meine. Yeah. Vielleicht. Er hatte dich ordentlich dran.«
Er schüttelte den Kopf, mit dem Milkshake in der Hand. Durch das Fenster schaute er raus, zu dem Spot, an dem wir all die Nächte skaten waren.
»Ich bin zweiunddreißig«, murmelte er wieder.
Ich hab ihn nie wieder gesehen.